4. August 2017 Paradocks

Leerstand, was jetzt?

Leerstände, Favoritenstraße

Das ist die erste Ausgabe unseres neuen wöchentlichen Blogs. Dieser wird sich mit dem urbanen Raum, dessen Problemen und aktuellen Fragestellungen auseinandersetzten.

Der Verfall und die Verödung der innerstädtischen Erdgeschoßzonen schreitet seit spätestens Mitte der 1990er Jahre rasant voran.

Die Gründe für dieses Phänomen sind zahlreich, zum einen kam es in diesem Zeitraum zum Ausbau von Einkaufszentren in der Peripherie, zum anderen wurde durch allgemein zugängliches Internet der Weg für den Online Handel geebnet.

Um eine weitere Ausbreitung der Leerstände zu verhindern und eine Revitalisierung der betroffenen Geschäftslokale zu erreichen gibt es sowohl national als auch international verschiedene Lösungsansätze.

In Österreich beschäftigen sich mehrere Organisationen und Institutionen mit dieser Problemstellung.

Blumengeschäft Lerchenfelderstraße

Das Wiener Pilotprojekt „Lebendige Straßen“ hat es sich zum Ziel gesetzt, den Geschäftsstraßen, Lerchenfelder Straße, Hernalser Hauptstraße und Wallensteinstraße eine neue Dynamik zu verleihen. Das Projekt startete 2008 und wurde auf drei Jahre befristet.Aufgrund des großen Erfolgs des Projekts in der Lerchenfelder Straße wurde es hier auch nach den drei Jahren weitergeführt.

Treffpunkt Lerchenfeld

Ein Treffen zwischen Rene Patschok, dem Leiter des Projekts „Lebendige Lerchenfelder Straße“ und dem Paradocks Team fand Mitte Juli statt.

Ein weiteres nationales Beispiel für erfolgreiches Leerstandsmanagement kann in Wels gefunden werden.

So gab es Anfang 2015 in Wels eine Leerstandsquote von 10,4%, durch die Gründung des „Wirtschaftsservice Wels“ konnte hier aktives Standortmarketing betrieben werden, welches zu einer Neueröffnung von 22 Geschäften führte.

Lerchenfelder Straße

International gibt es hier auch andere Lösungsansätze. Das Konzept des Business Improvement Districts, kurz BID, stammt aus Nordamerika und wurde als Reaktion auf die steigende Konkurrenz durch außer Städtische Einkaufszentren entwickelt.  Ein BID umfasst meist einen räumlich klar abgegrenzten Bereich in diesem sich die Grundeigentümer dazu verpflichten eine Abgabe an die Stadt zu leisten welche dann an einen sogenannten BID-Aufgabenträger weiterfließt. Dieser setzt, mit dem ihm so zur Verfügung gestellten Budget, das vorher ausgearbeitete Konzept um. Das Konzept hat meist eine Umfeldverbesserung als Ziel.

BIDs sind in Österreich zurzeit nicht durchführbar, da hier die gesetzliche Grundlage fehlt, um Grundeigentümer langfristig zu einer Abgabe zu verpflichten.

Leerstände, Favoritenstraße

 

Abschließend lässt sich sagen, dass die Ansätze, obwohl grundlegend unterschiedlich, im Kern eines verbindet, sie alle zielen auf eine nachhaltige Aufbesserung der Erdgeschoßzonen ab und sind bemüht die Verödung der betroffenen Gebiete zu vermindern.

 

Rupert 24, Geographie Student aus Wien.
Seit dem Anfang meines Studiums beschäftige ich mich mit Stadtgeographie und Stadtentwicklung.
Als Praktikant bei Paradocks versuche ich Gelerntes mit Praktischem zu verbinden.

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