20. Dezember 2017 Paradocks

Die Kunst und der Leerstand

A man walks past an empty building, which has been covered with artwork to make it look more appealing, in the village of Bushmills on the Causeway Coast August 19, 2013. One of the homes of Irish whiskey has taken a scheme developed in Northern Ireland of erecting fake shop fronts where derelict buildings lie and has truly run with it in a bid to woo tourists. Bushmills, best known as the village where the whiskey of the same name was distilled for the first time 400 years ago, is now also becoming recognisable for the artwork and graphics that brighten up shop fronts left empty during the economic downturn. Picture taken August 19, 2013. REUTERS/Cathal McNaughton (NORTHERN IRELAND - Tags: BUSINESS SOCIETY TRAVEL) ATTENTION EDITORS: PICTURE 14 OF 20 FOR PACKAGE 'NORTHERN IRELAND'S TROMPE L'OEIL'SEARCH 'BUSHMILLS ART' FOR ALL IMAGES - RTX1315P

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In diesem Artikel werden 3 Projekte aufgezeigt, die mit innovativen und kreativen Ideen versucht haben, vom Leerstand betroffene Gebiete zu beleben und sich gegen das Image vom verlassenen, heruntergekommenen Stadtbild zu stemmen. Die Kunst lieferte dabei den Spielraum, benötigte Erneuerungsimpulse zu setzen und das Auge der Bevölkerung zu diesem Thema zu schärfen. Die Projekte spiegeln das Potential von der  Verbindung zwischen Kunst und Ortsentwicklung wider und zeigen den möglichen Effekt auf die Attraktivität der öffentlichen Umgebung.

„Brighter Bushmills Project“ – the lively neighborhood of Bushmills

Die kleine, nordirische Stadt Bushmills ist voller Leben. An den Fenstern winken sich BewohnerInnen zu, Hühner picken vor den Hauseingängen und beim traditionellen Kaufmannsladen treffen sich Nachbarn und Nachbarinnen zum morgendlichen Plausch. Die Erdgeschosszonen der Stadt sind ausgelastet wie noch nie zuvor. Ein Bild, das disparat zur allgemeinen Situation in Nordirland wirkt. Doch etwas trügt den Schein in Bushmills. Es ist Kunst.

Wie in vielen nordirischen Städten ist auch in der Stadt Bushmills die Wirtschaft nach der Krise abgeflaut. Wenig Arbeit, wenig Tourismus und viel Leerstand waren die Konsequenz. Eine Situation, mit der sich die BewohnerInnen nicht abfinden wollten. Die Lösung gegen die Tristheit der Straßen wurde in der Kunst gefunden und somit ein Paradebeispiel geschaffen, das zeigt, dass Kunst und zivilgesellschaftliches Engagement eine Stadt wiederbeleben können.

Das „Brighter Bushmills Project“ wurde 2010 von den ansässigen BewohnerInnen gegründet und vom Local Council gefördert. 30.000 Pfund wurden insgesamt gesammelt, um der Stadt durch die nun bekannten Kunst-Fenster wieder Leben einzuhauchen und den leerstehenden Erdgeschosszonen sozusagen ein Facelift zu verpassen. Die Idee ist nicht neu. Für den G8-Gipfel investierte die britische Regierung rund 2 Millionen Pfund in die Grafschaft Fermanagh, um die Folgen der Wirtschaftskrise zu überdecken und sich politisch repräsentativ zu zeigen. In Bushmills dagegen entstand das Projekt nur durch Eigeninitiative der BürgerInnen.

Das mit Erfolg. Die Wiederbelebung der Stadtviertel passierte nicht nur fiktiv auf Papier. Bushmills entwickelte sich durch sein Kunstprojekt zu einem  attraktiven Ausflugsziel für kunstaffinierte TouristInnen. Aufgrund der neuen Vitalität in der Stadt und dem wirtschaftlichen Auftrieb durch die Tourismusbranche konnten bereits vereinzelt Geschäfte zurück ins Leben finden. Die BewohnerInnen hoffen nun, dass der Tourismusaufschwung weiter anhält und die Stadt bald wieder ihre Leerstände füllen kann.

Breathing Lights – Illuminating the Need for Community Revitalization

Dass Kunst nicht nur schön sein kann, sondern auch wiederbelebend, hat das Projekt Breathing Lights bewiesen. Im Herbst 2016 startete es im Bundesstaat New York in Stadtteilen von Albany, Schenectady and Troy und erleuchtete täglich von 18 bis 22 Uhr die Fenster von hunderten leerstehenden Wohngebäuden. Verlassene Straßen sollten dadurch für Monate wieder Wärme und Sicherheit ausstrahlen und die Wahrnehmung der BürgerInnen über Leerstand geschärft werden. Mit einem leichten Pulsieren der Lampen wurde ein Lichteffekt eingebaut, der an die ehemalige BewohnerInnen der verlassenen Häuser erinnern sollte.

 “Breathing Lights is the breath of fresh air and the spark of light which the community needs to move forward in a positive direction for the next generation.” – Jeffrey Allen Nelson.

Neben dem Kunstprojekt wurden in den Nachbarschaftszentren der 3 Städte 8 Monate lang mit verschiedenen Events über Leerstand aufgeklärt und versucht, betroffenen BürgerInnen eine Stimme zu verleihen. Die Lichter der Gebäude sind zwar seit November 2016 erloschen, Events und Projekte finden aber weiterhin statt. Die Finanzierung von Breathing Lights konnte durch den Gewinn von 1 Million Dollar aus der Bloomberg Philanthropies Public Art Challenge realisiert werden. Bei diesem Wettbewerb setzte sich Breathing Lights gegen mehr als 200 eingereichte Projekte durch. Es war eine der größten öffentlichen Temporary Art Works, das je eröffnet wurde. Für die komplette Begehung des Projektes wurden 7 Stunden benötigt.

I Wish This Was_. – stickers for sharing desires on vacant storefronts

Die Kombination aus Straßenkunst und Stadtplanung wurde auch von der Künstlerin Candy Chang zu einem erfolgreichen Projekt umgesetzt. Mit ihrem interaktiven Kunstprojekt I Wish This Was _ lud sie die BewohnerInnen New Orleans dazu ein, in ihrer eigenen Stadt kreativ und partizipiert zu sein. Die Künstlerin designte Sticker, die sie auf leerstehende Gebäude klebte oder in öffentlichen Auslagen frei zu Verfügung stellte. Die Überschrift I Wish This Was sollte die AnwohnerInnen dazu anregen, Gedanken, Wünsche und Ideen über die zukünftige Nutzung von leerstehenden Objekten auf den Stickern zu äußern.

Das Ziel des Projektes war, eine möglichst breite Masse der Bevölkerung durch eine effektive, niederschwellige Option der Partizipation zu erreichen und damit Personen eine Stimme zu geben, die sonst nicht gehört werden. Ein weiterer Gedanke des Projekts war, das Ausmaß des Leerstandes in der Region aufzuzeigen.

Obwohl das Projekt bereits 2010 anlief, ist das Projekt noch nicht zur Ruhe gekommen. Durch den großen Erfolg startete Chang die App Neighborland. Auf deren Homepage The Neighbourhood Handbook.com können immer noch Sticker bestellt werden. Das Original wurde durch ein neues Design und mit dem Spruch “I want ____ in my neighborhood” ergänzt. Ein Sticker kostet 2 Dollar.

 

Chiara, 22, Geographiestudentin aus Vorarlberg, die durch ihr Studium erst kürzlich die Stadtgeographie für sich entdeckt hat und durch ihr Praktikum bei Paradocks so viel wie möglich dazulernen möchte.

Quellen:

Spiegel_onlineBusinessinsiderBreathinglightsCandychangI-wish-this-wasTimesunion

 

 

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